|
Lernen Sie unsere Mitglieder kennen!
Unter dem Titel "Eine/Einer von uns" stellt Gerhard Lein - bislang für den Distrikt Lohbrügge West - auf der Rückseite der Einladung zu unserem Veranstaltungen jeweils eines unserer Mitglieder vor. In einem kleinen Interview, meist zu Hause bei dem jeweiligen Mitglied, erfragt er dann, wie der Kontakt zur SPD entstanden ist, welche Einstellungen zur Politik bestehen und wie überhaupt so ein Mitgliedsprofil aussieht. Manchmal sind es auch gleich 2 Mitglieder, wenn Mann und Frau beide in der SPD sind.
Wir ergänzen diese Interviewseite jetzt um unsere neuen Mitglieder. Mit einem Bild und ein paar Worten wollen wir deutlich machen, warum diese Frauen und Männer in dieser Zeit in die SPD eintreten.
Wir suchen dringend jemanden, der die Arbeit von Gerhard Lein fortsetzt (seine div. Engagements erlauben es nicht, dass er diese Aufgabe weiterhin übernimmt). Wer hat Lust?
Peter Kaufholz
Da soll nur einer sagen, es gebe keine j’s nicht geklappt. Ich sitze Peter Kaufholz gegenüber, 21 Jahre jung und seit zwei Jahren in der SPD. „Weil mich das Thema soziale Gerechtigkeit inte-ressiert“, sagt er, als ich ihn nach dem Grund für seinen SPD-Beitritt frage. Und: Mein Vater war in der SPD. Ausgetreten ist er wegen der Unterstützung des Kosovo-Krieges durch die SPD.“ Verdutzt blicke ich ihn an. Ist das nicht eher die Argumentation junger Leute, denke ich. Und nachgefraqt: „Ich war dafür, ich fand es richtig, dass die Bundeswehr dort eingesetzt war. Es geht um Friedenserhaltung dort.“
Peter Kaufholz beginnt nächstens seine Ausbildung bei der Feuerwehr, nachdem er Metallbau ausgelernt hat. Bei der freiwilligen Feuerwehr hat er Geschmack an diesem Beruf bekommen. Sein Auto parkt nicht im Carport auf dem Hof, sondern vorn an der Straße: „Dann kann ich schneller zum Einsatz, das ist ja zur Zeit häufiger der Fall hier.“ Peters breite Schultern deuten auf Sport hin. „Slag-Football bei den Grey Devils.“ Ich gucke verdutzt. „Ja, das ist die einfachere Version, nicht so rauh wie der echte, auch ohne Helm.“ Da hat Peter auch Freunde. „Politisch engagierte?“ „Nein, das eher nicht, aber sie akzeptieren mein Interesse.“
welchem Thema würdest du dich für die SPD auf die Straße stellen, an einen Info-Stand zum Beispiel?“ Ohne groß nachzudenken kommt die Antwort: „Für den Bahnhofsvorplatz! Ich habe den Umgestaltungsplan für richtig gehalten. Da muss ja mal was passieren.“ (Warum hat ihn bloß keinen angesprochen im Frühjahr?) Und am Thema Ausländerfeindlichkeit hätte er auch Interesse. Distriktsmitgliederversammlung? Keine besondere Reaktion. Ob er schon mal bei den Jusos gewesen wäre? immerhin wären dies alles jüngere Sozialdemokraten, während wir in der Dist-riktsmitgliederversammlung mit einem Altersdurchschnitt um die 55 sitzen. „War ich mal, hat mich aber auch nicht so angesprochen,“ sagte er.
Bei der Rückfahrt auf dem Fahrradsattel denke ich, wer findet die richtigen Themen, wer bringt sie an die Leute? Bereitschaft zum Engagement ist vorhanden.
Ursula Madeyka
Es ist schon dämmrig, als ich Ursula Madeyka auf ihrer Terrasse hinterm Haus in Boberg gegenübersitze. Berufstätige Mutter zweier erwachsener Kinder mit einem eher häuslichen Mann ist sie die politische Familien-Exotin. „Viele Jahre,“ so erzählt sie, „bin ich eher in der AKW- Bewegung aktiv gewesen, habe immer gegen etwas gearbeitet.“ „Und eigentlich wäre ich eher bei den Grünen gelandet,“ fährt sie fort. Aber dann gab es Begegnungen mit sozialdemokratischen Frauen und Nachdenken darüber, sich auch für etwas zu engagieren. Unterdes war Ursula Madeyka auf Schul- und Bildungsfragen gestoßen. An der Berufsschule ihres Sohnes gab es - wie überall an Berufsschulen - wenig Engagement von Eltern. Schnell führte ihr Weg in die Elternkammer und dort in den Berufsschulausschuss. Ich komme mit ihr bei Bildungsthemen ins Gespräch, in denen ich auch selbst zu Hause bin. Ausbildungsabbrecher, das Quas-Programm des Senats für Schüler ohne Schulabschluss, die Wei-terentwicklung der beruflichen Bildung. Aber auch die Bequemlichkeit mancher junger Menschen, die sich auf der Sozialhilfe-Grundversorgung ausruhten. Ohne voneinander zu wissen saßen wir vor nicht langer Zeit in der Gewerbeschule 19 bei einer SPD-Berufsbildungsveranstaltung mit Ute Pape beieinander. Wie sie davon erfahren habe? „Na über das Kreisblatt, solche Veranstaltungen interessieren mich.“ Über die Distriktsversammlungen kommen wir natürlich auch ins Gespräch. Da zögert Ursula Madeyka ein wenig, sagt dann aber offen: „Die sind nicht so meine Sache.“ Nachgefragt sind es teils die kommunalen Wohnbezirksthemen, die sie nicht so anrühren, aber genauso der Umstand, dass sich der kleine Kreis der Mitgliederversammlungsbesucher sehr gut kennt und eine lange gemeinsame Arbeits-Vergangenheit hat. Ganz schnell kommt hinzu, dass die Distrikts-Aktiven von ihr aber nicht kritisiert würden, denn ihre Arbeit sei für die Partei vor Ort sehr wichtig. Und von unserem Vorsitzenden halte sie viel. Ich problematisiere den Sitzungsort unserer Distriktsversammlungen und die beträchtliche Randlage Bobergs für den Distrikt Loh-West und ernte kopfnickende Zustimmung.
Auf dem Nachhauseweg denke ich, gut dass wir in der SPD nicht nur Ortsvereinsarbeit haben, sondern auch überregional und themenbestimmt Angebote für Engagement machen. Aber wir sollten mehr voneinander wissen.
Georgia Tontou
Es ist halb zehn Uhr abends. Im Fernsehen läuft Kaiserslautern gegen Saloniki, noch steht es 1:1. Ich sitze Georgia Tontou und ihrem Mann gegenüber, einen Ouzo vor mir. Georgia ist seit 4 Jahren Mitglied der SPD, wenn es ihre Abendverpflichtungen als Fremdsprachen-Lehrerin in der LoLa zulassen auch auf Mitgliederversammlungen. „Als Griechin in der SPD?“, frage ich sie. Mit einem Hauch von griechischem Akzent kommt die Antwort: „Als Griechin bin ich selbstverständlich in der PASOK (der sozialistischen Partei Griechenlands), was liegt da näher hier in Hamburg, wo ich seit 23 Jahren lebe, Mitglied der SPD zu werden?“ Dann kommt Georgia auf die Zeit der Diktatur in Griechenland 1967, auf die seinerzeitige Symbolfigur Papandreou und auf Willy Brandt.
Ausländer sollten sich in Deutschland auch politisch engagieren. Ausländerpolitik ist ihr dabei natürlich besonders am Herzen. „Schade, dass es die doppelte Staatsbürgerschaft immer noch nicht gibt. In anderen Ländern hat man damit so gute Erfahrungen gemacht.“ Die zwei Kinder der Eheleute Totos sind/waren beide auf Lohbrügger Schulen, nachmittags dann noch in der griechische Schule, um ihre Sprache und ihre Wurzeln nicht zu verlieren.
Was sie von „ihrer“ Partei erwartet? „Mehr für die Ausländer und ihr Hineinwachsen in die Gesellschaft tun und ihre Beteiligung an der Politik fördern. Deshalb bin ja auch in der SPD.“ Und sonst ist Georgias Freizeitbeschäftigung in der griechischen Gemeinde. Am ehemaligen Lohbrügger Friedhof bekamen die Griechen Bergedorfs die Aussegnungshalle überlassen, mussten von innen heftig renovieren. Das Spiel ist kurz vor dem Abpfiff, 2:1 für K’lautern. „Schau doch bei uns Griechen mal vorbei am Samstag um 14 Uhr.“ Werd’ ich tun, denke ich auf dem Rückweg. Mehr aufeinander zugehen.
Hella und Dieter Bettels
Über Dieter Bettels reden kann man in der SPD schlecht ohne Hella zu erwähnen (oder umgekehrt). Ich sitze den beiden gegenüber, die auf eine lange gemeinsame Zeit in unserer SPD zurückblicken. Nicht immer bruchlos, wie sich im Verlaufe des Gesprächs herausstellt. Denn bei Dieter gab es auch Zeiten ohne SPD, allerdings politisch heimatlos, wie sich nach seinem Austritt ´61 im Zusammenhang mit dem Godesberger Programm zeigte 1978 trat er wieder ein, nach wie vor mit kritisch distanzierter aber eindeutiger Mitgliedschaft. Die nimmt Hella für ihre bald 45jährige Mitgliedschaft auch für sich in Anspruch, aber eben ohne Pause. Hella, unsere Distriktskassiererin, hütet den Lohbrügger Schatz, der sich durch gute Beitragszahler und engagierte Arbeit zahlreicher GenossInnen sehen lassen kann. Welcher Distrikt verteilt schon alle Briefe per Hand in die Briefkästen der 120 Mitglieder und schadet damit der gelben Post?
Dieter ist seit einiger Zeit in Rente und hat ein neues Betätigungsfeld gefunden. Es ist das Internet: Für sich selbst stöbert er manche Stunde a m Tag durch das weltweite Datennetz. Aber wichtig für uns überwiegend ist er mit der Erstellung unserer Distrikts- und Kreis-Präsentation beschäftigt. Unter www.spd-bergedorf.de sollen wir bald erreichbar sein. Dazu ist viel Arbeit nötig. Und es wird Engagement verlangt, wenn unsere Angebote immer aktuell sein wollen.
Ich spreche Dieter und Hella auf Internet Nachhilfe an. Ganz spontan kommt die Bereitschaft, für unsere älteren Genossinnen und Genossen 5 Abende im Frühjahr anzubieten, in denen sie sich mit diesem neuen Medium vertraut machen können. (Also: Interesse beim Distriktsvorsitzenden anmelden! Termine folgen!)
Was sie an der SPD aufregt? Ohne langes Zögern berichtet Dieter von einem Bettel-Brief unserer Bundesschatzmeisterin, in dem sie schrieb: „Wir müssen in der SPD aufpassen, dass die sozialen Belange nicht den Bach runtergehen.“ Dieter:„Wieso in der SPD aufpassen. Der Grund, weshalb ich überhaupt in der SPD bin dass auf soziale Belange geachtet wird mit der ganzen Kraft der Partei.“ Schade, dass sein ärgerlicher Leserbrief für den Vorwärts zu diesem Thema nicht abgedruckt wurde.
Julia und Christian Scherf
In Geesthacht sitze ich Christian Scherf gegenüber, dem neuen kaufmännischen Geschäftsführer des GKSS-Forschungszentrums auf dem weiträumigen Gelände der alten Dynamit-Nobel Werke. Helle weiße Möbel, Blick über die Elbe in diesem Raum werden sonst weitreichende Entscheidungen für angewandte Forschung gefällt. „Meine Entscheidung für diese neue Tätigkeit wäre mir nicht in den Sinn gekommen, wenn ich nicht ....“ Und hier sind wir beim Thema:
Christian Scherf und seine Frau Julia sind zusammen mit Zwillingen und bald einem dritten Kind die ersten Sozialdemokraten unseres neuen Stadtteils Dorfanger Boberg. Mittendrin, weitab vom Verkehrlärm der B 5 und unter dicken Eichen haben sie sich für die nächsten Jahre eingerichtet. „Von Altona aus, fünf Jahre lang unser Wohnort nach einer kürzeren Zeit in Eppendorf, hätte ich das nicht gemacht. Auch so nerven mich schon die 25 Minuten Fahrt zur Arbeit.“
Beim Stichwort ‚Distrikt’ wird’s lebendig. Distrikt Eppendorf, Distrikt Ottensen waren die politischen Heimatbezirke der beiden, nachdem Christian schon lange vor seinem Parteieintritt `88 als Student in Frankfurt ‚Juso ohne Parteibuch’ war. Ich merke, er ist in der Organisation zu Hause, wenn er von Distriktsvorständen, KdV`s und der AsJ erzählt. Und davon, dass er sich immer gerade am Wohnort politisch engagiert hat. „Dass ich mich jetzt in der Partei in Lohbrügge noch nicht habe blicken lassen, hängt auch mit meinem neuen Beruf und der Berufsausbildung von Julia zusammen, die als Rechtsreferendarin in Lüneburg arbeitet, und natürlich mit unseren kleinen Kindern.“
nicht ist, kann ja noch werden,“ denke ich mir. „Gut, dass wir jetzt einen Anker in der Dorfplatz-Siedlung haben, dem bisherigen weißen Fleck in unserem weitläufigen Distrikt. Und schön, dass es zwei erfahrene Genossen der jüngeren Generation sind. Das kann uns nur gut tun. Wenn vielleicht eine/r von beiden ......“
Herzlich willkommen!
Heiko Rous
Heiko Rous schreibt in unserem Disktrikt die Protokolle und verteilt sie auf die Vorstandmitglieder. Eine Aufgabe, die Verlässlichkeit und Sorgfalt erfordert, dazu eine Menge Kenntnisse über die Strukturen unserer Partei.
Eines Sonntagmorgens sitze ich ihm bei einer Tasse Kaffee gegenüber, wir unterhalten uns über die Arbeit, die Partei und das Leben. Berufstätig ist Heiko seit zwei Jahren nicht mehr, „aber ich mache jeden Tag eine bis vier Stunden ehrenamtliche Arbeit.“ Davor war er nach erster Ausbildung im Metallbereich (Ziel Ingenieur) bei der Polizei. Nach vielen Jahren Revierführer in der Budapester Straße, dem Großneumarkt, der Sedanstraße und etlichen Zwischenstationen hat er als Leiter der Einstellungsstelle seine Berufstätigkeit beendet. Was Heiko erzählt ist spannend. Manches kommt mir nicht un-bekannt vor, wohnte ich über Jahre ganz in der Nähe seines Arbeitsplatzes in Rotherbaum. „Neben meinem Beruf bin ich vom ersten Tag an in der Gewerkschaft gewesen; erst in der IGMetall, dann in der GdP, für sie auch im Personalrat.“ Viele Jahre hat Heiko die Kundgebungen des DGB zum 1.Mai am Besenbinderhof mitorganisiert. Daraus ist sogar ein Buch, ein Leitfaden für die Organisatoren politischer Großveranstaltungen entstanden. In die SPD ist Heiko ganz ohne „Paten“ gekommen. „In der Zeit als Willy Brandt von „Mehr Demokratie wagen“ sprach, bin ich eines Tages ins Kurt-Schumacher-Haus gegangen, habe gefragt, wie ich denn Mitglied werden könne. Und so geschah das dann, ich weiß es noch als wenn es heute wäre.“
Ich spreche Arbeitszeiten an. Da wirft Heikos Frau Helga ein: „Abendbrot hast du selten mit uns gegessen.“ Und das klingt gar nicht scharf, eher freundlich und anerkennend. Heiko fährt fort. „Polizei Schichtdienst ist aufreibend, wenn man dann wie ich noch mit dem Rad zur Arbeit in die Innenstadt fuhr (und wieder zurück), ergänzt durch 10 Jahre Marathonlaufen, dann muss politische Arbeit auf die wenige freie Zeit konzentriert werden.“
Da hat er es jetzt als Pensionär besser; und wir als SPD haben mehr von ihm. Kreisdelegierter, Arbeitsgemeinschaft 60plus, die AfA, dazu Arbeit im Forum Lohbrügge und dem Stadtteilbeirat. Und nebenbei kümmert sich Heiko noch um einen blinden Jungen, der auf einer Alm in Österreich lebt, schickt ihm Bücher und Spiele in Braille-Schrift. „Meine Kirchensteuer geht an die SOS-Kinderdorf Organisation und den AsB.“
Über die (zu wenigen) jungen Leute in der SPD: „Vielleicht müssen wir sie auch öfter ausdrücklich nach ihrer Meinung fragen, sie einbeziehen.“ Aber Heiko ist optimistisch: „Das Pendel geht hin und her. Ich glaube, dass die Zeit kommt, wo das Wort Solidarität wieder eine größere Rolle spielt als gegenwärtig, gerade auch für die jüngeren Leute.“
Isabella Vertés-Schütter
„Abends, wenn du vielleicht Zeit hast, bin ich in der Regel bei der Arbeit oder unterwegs“, sagt Isabella Vértes-Schütter und lädt mich zu einem Gespräch ins Intendanten Büro des Ernst-Deutsch-Theaters an der Mundsburg. Da sitze ich ihr dann gegenüber und gehe erst einmal auf Traditionen ein: Isabella ist (zum zweiten Mal) auf dem letzten Platz der SPD - Kandidatenliste für die Bürgerschaft (Nr. 121) wie früher schon ihr verstorbener Mann und Vorgänger am Theater. "Schon als Kind," so erzählt sie, " bin ich durch meinen Großvater sozialdemokratisch geprägt worden. Ich weiß, wie wichtig es ist, öffentlich Flagge zu zeigen." Deshalb steht sie wie vormals „Fiete“ Schütter auf der Liste. Kultur sei ein wichtiger Faktor für den Zusammenhalt der Gesellschaft, die zunehmend in arm und reich, alt und jung, sich polarisiere. Im jüngst gegründeten Kulturforum der SPD arbeitet sie mit in dem Bemühen, Kunst und Politik immer wieder neu zusammenzubringen. Nicht nur wegen staatlicher Gelder für Kunst („Das Ernst-Deutsch-Theater ist ein privates Theater! Und erfolgreich“). Aber auch wegen der Finanzen. „2% Anteil für Kunst und Kultur im Hamburger Haushalt wäre schon gut. Da sind wir fast dran. Es soll ja auch nicht nur den großen, staatlichen Einrichtungen zugute kommen, sondern auch regionale Kunst und Kultur stärken.“
Und Lohbrügge? “Am Boberg wohne ich gut und gerne.“ Ihr älterer Sohn geht dort zur Schule, der jüngere hat ein Umfeld, in dem er sich wohl und behütet fühlt. „Gute Nachbarschaft ist für mich wichtig, gerade wo ich aus beruflichen Gründen oft nur am Wochenende genügend Zeit für Familie habe".
Theater und Schule? Da gibt es Berührungspunkte: Mal Hilfestellung für die Theatergruppen von Schulen aus dem Theater-Fundus, zuweilen auch Regie-Ratschläge; jetzt kommt eine Produktion des Christianeums auf die Bühne des Ernst-Deutsch-Theaters.
Vor ihrem beruflichen Wechsel ins Schauspiel, danach Leitung der Hammoniale Festival der Frauen, dann Theater-Intendanz, war Isabella Ärztin, approbiert und promoviert. Das erklärt vielleicht auch mit ihre Schirmherrschaft über das Projekt „Sternenbrücke“, ein Hospiz für Kinder, dich nicht mehr lange leben werden und sich in einer freundlichen, familiären Umgebung auf ihren Tod vorbereiten. Es steht jetzt kurz vor der Gründung in einer schönen Rissener Villa.
Schön, wenn sich Kultur- und Sozialengagement so kompetent bei uns verbinden.
Stephanie Albrecht
Stephanie Albrecht ist seit 3 Monaten dabei. Newcomerin mit Vorgeschichte - keine durch und durch sozialdemokratische schon gar in dritter Generation, sondern einer für heute ganz typischen Vorgesichte, mit Merkmalen, die wir älteren Genossen uns merken müssen.
Es war die Schill-Veranstaltung im letzten November“, erzählt sie mir früh morgens vor ihrer ersten Unterrichtsstunde in der Klasse 12 des Gymnasiums Bornbrook. „Als langjährige Klassen- und Schulsprecherin meiner Schule wollte ich mal hören, was der so erzählte.“ Sie traf auf Jusos, die sich in die Diskussion einmischten und rüde zurechtgewiesen wurden fuhr dann kurz darauf zum ersten Bergedorfer Schüler-Seminar (Kreisschülerrat, Neue Gesellschaft), ließ sich zur Teilnahme an der KDV zur (Abschaffung der) Wehrpflicht überreden und nahm an der Reisegruppe von Rolf Niese nach Berlin teil.
₾i den Jusos sein macht Spaß. Ich kriege schnell Kontakte, bin drei- viermal die Woche unterwegs hier in Bergedorf, in Steilshoop, in Mitte, lerne viel.“
In ihrem Freundeskreis ist Stephanie die einzige, die sich politisch in Organisationen engagiert. „Das ist schon manchmal ein Problem, wenn ich so spitze Bemerkungen über mich höre; aber erstens gewinne ich neue Freunde und zweitens sind meine alten Freunde ja keineswegs politisch völlig uninteressiert.“
Ich frage nach Distriktsaktivitäten und kriege von Stephanie die unverbindlich freundliche Antwort, dass sie sich das auch vielleicht mal vorstellen könnte. Sie wohne ja immerhin in Lohbrügge. Aber ich fühle: das ist es derzeit nicht. Junge Leute brauchen Aktionen, das Bergedorfer Jugendparlament, unterwegs sein bei den politischen Ereignissen, Seminare.
Als ich ihr erzähle, dass wir im September einen politischen Frühschoppen vor dem GymBo (ihrer Schule) machen wollen, da kommt leichtes Lächeln auf. Könnte doch der erste Kontakt zu ihrem Distrikt werden, denke ich und freue mich über die deutlich wieder wachsende Zahl von Jusos in Bergedorf.
Birgit Gutenmorgen
Gar nicht leicht, sich mit Birgit zu verabreden: Beruf und zwei Kinder (13 und 2) lassen wenig Zeit für Plaudereien über die SPD. Aber irgendwann gelingts:
Mit 16 in die SPD eingetreten, klassisches sozialdemokratisches Milieu, das 25jährige Partei-jubiläum schon hinter sich, Erfahrungen mit der SPD vor vielen Jahren auch in Berlin-Kreuzberg, wo Politik mehr in den Kneipen gemacht wird als bei uns. Bei uns im Distrikt ist Birgit Kreisdelegierte.
Politik machen ist nun mal familien unfreundlich, selbst wenn es Kinderbetreuungsangebote auf Parteitagen gibt.“ Funktionen kann man da nur schlecht übernehmen. Es kommen ja immer auch noch zusätzliche Pflicht - Termine hinzu, wenn man etwas bewirken will. ergänzt sie.
Wenn man, wie ich, aus den Entscheidungsprozessen raus ist, dann fehlen Gelegenheiten, meinen Frust rauszulassen. Diskussionen im Familienkreis (mit Partei-skeptischen Lebenspartnern z.B.) reichen mir nicht. Wo gibt es Diskussionsforen für Dialoge der einfachen / normalen Mitglieder untereinander?
Im Gespräch wird deutlich, dass es bei Birgit ein starkes Interesse an Auseinandersetzung über Politik gibt, dafür aber keine günstigen Orte oder Gelegenheiten. „Informiert über Politik werden wir im Grunde gut, dazu brauchen wir keine Versammlungen, aber Gelegenheiten zur Bewertung dessen, was wir erfahren, die fehlen mir.“
Was tun? Birgit schlägt regelmäßige Frauen-Treffs vor, vielleicht alle Vierteljahr: Sie will sich gerne um Frauen in ähnlicher Situation kümmern, wartet auf Anrufe (739 278 07) und will auch selbst auf die mitteljungen Frauen von 30 bis 45 zugehen. Also nicht überrascht sein, wenn das Telefon klingelt!
Oliver Roßborg
Einunddreißig Jahre jung ist unser neuer stellvertretender Distriktsvorsitzender, ein richtiger Bergedorfer von Kindheit an. Nach Schule und Berufsausbildung in der Hamburger Fachhochschule für öffentliche Verwaltung hat es ihn als diplomierten Verwaltungswirt auch erst mal wieder nach Bergedorf ins Bezirksamt gezogen bevor er jetzt in der Justizbehörde für die Budgets der Hamburger Vollzugsanstalten zuständig wurde.
Ich war der einzige meines Studienjahrgangs, der sich einen Praxisplatz in Bergedorf suchte. Im Referat für Öffentlichkeitsarbeit, das auch die Kontakte zur Bezirksversammlung wahrnimmt. Das waren schon interessante Einblicke in die kommunalpolitische Arbeit“, sagt Oliver.
Ja und die SPD?“ frage ich ihn. „Mitglied bin ich seit 1996, der Familientradition folgend. War schon spannend, die unterschiedlichen Charaktere dieser Zeit kennen zu lernen.“
Dass Oliver die Kandidatur zum stellvertretenden Distriktsvorsitzenden erst in der Versammlung angetragen wurde, hat nicht nur ihn überrascht. Im Gespräch entlocke ich ihm ein paar Überlegungen für seine zukünftige Arbeit. Kommunalpolitisch will Oliver sich einsetzen für die Aufwertung Lohbrügges, wofür im Bereich unseres Bezirks zu wenig gemacht wird, wie er sagt. Da kommt die soziale Stadterneuerung gerade gut zu pass. Und in den Parteistrukturen möchte er mehr Angebote unseres Distrikts für junge (und jung Gebliebene): „Wir müssen auch andere Versammlungsorte finden im Distriktsbereich. Kneipen gibt’s ja leider wenige bei uns, aber vielleicht sollten wir doch uns eine für Versammlungen und Abendtreffs aussuchen.“
Und wenn dann neben Beruf und Politik noch Freizeit bleibt? „Dann spiele ich Badminton, tummle mich im www (world wide web internet), lebe meine Schwäche fürs Ruhrgebiet und besonders Schalke 04 aus und besuche leidenschaftlich gern die norddeutschen Freizeitparks.“
Da wird er dann etwas weniger Zeit für haben, wenn wir ihn als Neuen ordentlich fordern.
Britta und Walter Kraemer
Himmelfahrtsabend. Gerade zurück von dem seltenen Vergnügen der Schrebergartenarbeit bitten Britta und Walter Kraemer mich späten Gast aufs Sofa. Aus geplanten 30 Minuten wird das dreifache: Die beiden blicken auf lange gemeinsame Arbeit in der SPD zurück und können viel berichten. Fast 35 Jahre in Lohbrügge, 25 Jahre in der SPD und dies nie als stille Mitglieder, sondern immer aktiv und in Verantwortung. Nicht ganz „unbelastet“ von elterlichen Einstellungen zur SPD haben beide sich im Gewerkschaftsbereich kennen (und schätzen) gelernt. Das Ende des Prager Frühlings, die „Willy wähle n“ Kampagne haben dann zum Entschluss geführt, selbst politisch aktiv zu werden.
*ls Sozialdemokraten wollen wir den Anspruch nie aufgeben, die Welt ein bisschen besser und gerechter zu machen, das ist unser Motiv in dieser Partei,“ sagen sie fast wortgleich.
Köln? Da kommt Fahrt auf bei grundehrlichen Leuten, die sich solche kriminelle Energie in unserer Partei gar nicht vorstellen können. Aber Zweifel an den Grundwerten der SPD oder Gedanken über eine Beendigung des Verhältnisses, kann das nicht nähren.
Kommunale Parteiarbeit in allen Verästelungen: Plakate kleben, Veranstaltungen organisieren, Kampagnen unterstützen, Bezirksversammlung, Verkehrsausschuss Vorsitz, Einladungen schreiben, an die Geburtstagskarten denken, Neujahrsgrüße mit Blumen in die Seniorenheime bringen, ...... die Aufzählung könnte leicht den Rahmen eines solchen kleinen Beitrags sprengen.
Und Menschen zur Mitarbeit motivieren: Zwar sind die Mitgliederzahlen in Loh-West von 170 vor 20 Jahren auf 120 heute zurückgegangen, aber die Zahl der Aktiven in Prozent zu den Mitgliedern hat sich im Distrikt gehalten. „Leider ist das Durchschnittsalter gestiegen, junge Leute sind nicht so leicht zu gewinnen“, sagen die Eltern eines jetzt erwachsenen Sohnes, der mit 16 in die SPD eingetreten und auch kräftig mit angepackt hat. Jetzt engagiert er sich in Flensburg.
Überhaupt der Norden: Kraemers gehören nicht zur Toskana-Fraktion der SPD, sondern zur Schweden-Fraktion. Im schwedischen Glasbläserrevier haben sie sich seit vielen Jahren ein Häuschen hergerichtet und freuen sich, eines Tages mal mehr Zeit dort zubringen zu können.
Dass beide neben all dem auch noch anstrengende Berufe ausfüllen, Walter als angestellter Kaufmann bei einem großen Anlagenbauer und Britta als Laborhelferin im Unfallkrankenhaus Boberg darf nicht unerwähnt bleiben.
Unterm Fahrradhelm geht mir auf dem Rückweg durch den Kopf: „Gut, dass es sie noch gibt, die richtig durch und durch sozialdemokratischen Familien.“
Melanie Wulff
In der gemütlichen Zweizimmer-Wohnung in der Poensgen-Stiftung an der Leuschnerstraße sitze ich Melanie Wulff gegenüber. Bilder von Kindern, Enkeln und Urenkeln in den Schranknischen. Seit zwei Jahren wohnt sie nun hier, direkt neben dem großen Leuschner-Seniorenheim und wenn nötig von dort aus betreut.
Erinnerungen werden in ihr lebendig: Melanie hat als Kind und junge Erwachsene die Nazi- und die Nachkriegszeit sehr bewusst als Sozialdemokratin mit erlebt: „Ich bin in die Sozialdemokratie hineingeboren. 14 Jahre war ich, als sie meinen Vater verhafte-ten.“ Fritz von Hacht war das, dessen Zeit im KZ Fuhlsbüttel an verschiedenen Orten der Stadt dokumentiert ist. Braune Lehrerinnen werden in ihr wach, die ihr durch plötzlichen Zensurenwechsel im Zeugnis eine höhere Schulbildung vermasselten. Und dann, Anfang Mai `45, wurde ihr Mann als U-Boot-Obersteuermann vom Hitler-Nachfolger Dönitz in den nassen Tod geschickt. Die beiden Kinder zieht sie alleine groß.
Einige Erinnerungsstücke legt sie auf den Couchtisch: Tagebücher, Zeichnungen, Zeitungsartikel ihres Vaters aus der Nazi-Zeit. Vieles befindet sich auch in verschiedenen Museen und Sammlungen der Stadt.
1945 wurde sie dann Mitglied in der (noch nicht zugelassenen) SPD, die ihr Vater mit einigen Getreuen in Bergedorf wieder aufbaute. Mit vielen politisch Verantwortlichen war und ist sie gut bekannt. „Mit meinen Enkeln diskutiere ich gerne, wenn auch meist nur am Telefon, denn sie wohnen z.T. weit weg. Was sie wählen, weiß ich nicht genau - aber auf jeden Fall nicht Stoiber.“ Da spüre ich dann ein wenig Großmutterstolz. Und Tochter-Unmut gleich hinterher, wenn sie berichtet, wie die SPD das 75. Parteijubiläum ihres Vaters vergaß und er den beiden Kindern verbot, die Verantwortlichen darauf hin zu weisen. „Da wär ich fast ausgetreten vor Ärger.“
Ist sie aber nicht, sondern Melanie noch immer dabei - soweit die Beine mitmachen. Wie jüngst bei der Wahlparty der Bergedorfer SPD im Gewerkschaftshaus am Serrahn. „Da musste ich unbedingt hin, aber es war für uns alte Leute zu zugig und das Fernsehbild hat geschneit. Da bin ich dann wieder nach Hause.“ Über Wahlverlierer Stoiber hat sie sich geärgert, weil er nicht die Größe besaß, dem Sieger zu gratulieren. „Das hat sogar Kohl bei Schröder gemacht.“
Anderthalb Stunden verrinnen wie im Flug. Geschichte und Gegenwart wurden lebhaft verschmolzen. Ich hätte noch länger zuhören und fragen können. Hoffentlich gibt’s noch mal Gelegenheit in einem größerem Kreis.
Mehmet Saritas
In einem klitzekleinen Büro an der Nähe des Hasselbrookbahnhofes sitzt mir Mehmet Saritas gegenüber. Er ist ein neues Mitglied in der SPD-Familie Lohbrügge-West und dazu ein hochinteressanter Mann. 1980 von Konya im anatolischen Hochland nach Deutschland gekommen, hat er sich in zahlreichen Branchen betätigt: Kaffeehaus, Videothek ... bis er sich seit einigen Jahren mit einem Blumengeschäft selbständig machte. Am zweiten arbeitet er gerade.
Warum er in die SPD eingetreten sei, frage ich den Neubürger des Boberger Dorfangers. Ganz spontan verweist Mehmet darauf, dass seine türkischen Mitbürger Orientierung und Hilfestellung brauchen, auch Mut erhalten sollten, selbständig zu sein. „Ich bin jetzt 13 Jahre selbständig, schaffe Arbeitsplätze und verhindere Abhängigkeit von staatlicher Arbeitslosenstütze. Wir türkischen Familien wollen uns gemeinsam anstrengen.“ Morgens um 5 Uhr geht’s los zum Blumengroßmarkt, abends um 20 Uhr ist Schluss. Das kann man nur, wenn die Familie mit macht. Das sind eine Frau und drei schulpflichtige Kinder. Zu Hause spricht der seit 3 Jahren deutsche Staatsbürger türkisch mit den Großen, deutsch mit den Kleinen der Familie. Wieder zurück zur SPD. Einsetzen will er sich für ein solidarisches Miteinander von Deutschen und Türken, gerade auch dabei, dass Behörden die Kleingewerbetreibenden fördern durch hilfreiche Anwendungen der Rahmensetzungen, nicht kleinliche Schikane. Dabei erfahre ich so nebenbei, dass ein Geschäftsmann seine Markise (gegen Gebühr) genehmigen lassen muss, auch die Blumenauslage vor dem Geschäft durch Anmietung des gar nicht billigen öffentlichen Raums. Und von solchen Genehmigungen sind zahlreiche zu beachten (und zu kontrollieren). Fast mag ich die nächste Frage gar nicht stellen, die nach kulturellen, religiösen Bindungen. Aber ganz selbstverständlich antwortet Saritas. Ja klar, ich bin bekennender Muslim. Also nicht jeden Morgen in die Moschee, kann ich gar nicht. Aber ich war drei Jahre in meiner Moschee in der Böckmannstraße im Vorstand.
Die SPD ist offen für alle Bürger unseres Landes. Hoffentlich lassen wir die neuen Bürger spüren, dass sie uns willkommen sind, gerade auch in der Partei. Im Grund können wir uns nur freuen, wenn eingewanderte Bürger an der politischen Gestaltung unseres Landes mit arbeiten.
Berta Eichler
Sie ist fast unsere jüngste wenn man bedenkt, dass Berta Eichler erst seit kurzem im Distrikt Lohbrügge-West wohnt. Die Wahrheit is t natürlich ganz anders: Berta Eichler ist 93 Jahre alt, seit kurzer Zeit wohnt sie nicht mehr allein in Eimsbüttel, sondern ist ins Seniorenwohnheim an der Leuschnerstraße gezogen, nicht zuletzt, um ihren Kindern näher zu sein. Dies aber wäre auch noch nichts Besonderes, wenn nicht Berta Eichler im 1. Juli ihre 75jährige Mitgliedschaft in der SPD gefeiert hätte. Mit einem groß
en Strauß roter Rosen vom Distrikt, der Ehrenurkunde (Originalunterschriften von Gerhard Schröder, Olaf Scholz und Walter Kraemer) und der Anstecknadel war ich bei ihr zu Gast.
Selten habe ich eine so alte Dame so wach, so lebendig, so gesprächsfreudig erlebt. Aus alter sozialdemokratischer Tradition stammend war es völlig klar, dass Berta mit 18 Jahren vom ersten Lehrlingsgeld 1928 in die SPD eintrat, so erzählt sie. Und sie sei nie wieder ausgetreten, obwohl sie sich das gibt sie freimütig zu so manches Mal über die Partei auch geärgert hat. Aus ihrer Erinnerung berichtet sie, ohne dass sie von ihren mitfeiernden Töchtern korrigiert werden müsste, über die harten aber auch schönen Jahre vor Machtübernahme der der Nazis. Den Krieg hat sie mit drei Kindern in Eimsbüttel überstanden; dann brauchte es erst seine Zeit, bis die Familie sich an den spät zurückkehrenden Mann und Vater wieder gewöhnt hatte. Berufstätigkeit bei der Pro, später im Rückvergütungsbereich (wer kennt das noch? Volksdividende würde man heute sagen), zum Schluss ihres Erwerbslebens sogar im Aufsichtsrat des Unternehmens. Berta erzählt, dass sie in der SPD nie besonders aktiv gewesen sei. Aber für sie sei es immer selbstverständlich gewesen, Mitglied dieser Partei zu sein. Und bis heute lese sie den Vorwärts und was die Partei ihr sonst noch zuschickt. Berta Eichler ist ein lebendiges Beispiel für die Treue zu unserer Partei und zu unseren Zielen.
Monika und Helmut Kroll
Wir sind schon länger im Gespräch als Monika Kroll die beiden Parteibücher herausholt. Der schöne alte, tiefrote Hartpapp - Deckel beeindruckt mich immer wieder. (Ich selbst habe nach einem Einbruch als Ersatz nur eine billige Plastikfassung bekommen.) „Ich bin in die SPD hineingeboren, elterlicherseits - nur nicht gleich eingetreten.“ „Das haben wir gemeinsam 1966 gemacht, als wir heirateten“, ergänzt Helmut. So war das seinerzeit also. Damals hatten wir noch 27.000 Mitglieder. Das ist heute anders.
Monika und Helmut haben ihre Berufslaufbahn hinter sich. Er als Ingenieur bei Still, sie als Sekretärin in einem Betriebsratsbüro. Monika war zwischen
durch Jahre lang Schöffin und in der Spruchkammer für Kriegsdienstverweigerer. Das hat sie wohl Helmuts Einfluss zu verdanken, der kurz nach Beginn des Wehrdienstes ausschied und verweigerte. Aktiv sind sie immer noch in Partei und Gewerkschaft: Ob als EDV-Fachmann für den Betriebsrat bei Still oder in der EDV-Mitgliederverwaltung des großen Freundeskreises im Museum der Arbeit oder im Verwaltungsrat bei der Linde BBK und im Senioren-Arbeitskreis ÖTV (jetzt ver.di).
Oder auch als kritische Begleiter so mancher Diskussion im Ortsverein, unserem Distrikt Lohbrügge-West. „Die mittlere Generation hat sich ja zu wenig engagiert. Vielleicht klappt es da jetzt mit den jungen Leuten, die den Vorsitz und die Stellvertretung im Distrikt machen wollen, wie man so hört.“
Woran das wohl liegt, frage ich, dass die mittlere Generation oft nicht den Weg in die Verantwortung in unserer Partei gefunden hat und jetzt die jungen Leute ran kommen? Ratlosigkeit. „Ob wir vielleicht zu engagiert waren damals als Eltern?“, mutmaßt nachdenklich Monika. Oder ist es die neue Unverbindlichkeit, die eine Unterschrift bei der Greenpeace-Kampagne schon für Engagement hält und sich keinesfalls fest binden möchte?
ich heute eintreten würde, weiß ich auch nicht“, sagt Helmut. Die in Berlin machen es einem zur Zeit ja auch nicht leicht, sich zur SPD zu bekennen. Aber austreten? Das käme schon gar nicht in Frage. „Das ist doch unsere Partei, die können wir ja nicht den anderen überlassen.“
Die vier Adventskerzen sind heruntergebrannt. Zwei Stunden fast haben wir uns unterhalten. Ich habe viel gelernt über die Strukturreform der Krankenversicherung, und über das Leben in einer durch und durch sozialdemokratischen Familie. Einen Hinweis über die Ochsentour in der SPD werde ich nicht vergessen: „Bist du auch damals angefangen mit Plakate kleben?“, wird man ja manchmal in der SPD gefragt. Das hat Helmut 15 Jahre lang verantwortlich gemacht und es keineswegs als Arbeit für Partei-Anfänger gesehen: „Wäre gut, wenn manche da oben sich mit dieser notwendigen Basisarbeit ab und an befassen würden.“
Unsere neuen Mitglieder:
 |
Brigitte Michiels-Lein (links):
"Gewählt habe ich die SPD schon immer, eingetreten bin ich jetzt, weil sie unter schwierigen Bedingungen den Mut hatte, längst überfällige Reformen einzuleiten."
Henriette Witschel (rechts):
"Den notwendigen Umbau unserer Sozialsysteme und damit unsere Zukunft sollten Sozialdemokraten, nicht die anderen gestalten."
|
|
Sabine Freiberg
In diesen äußerst schweren Zeiten für die SPD kam mir der Gedanke: "Jetzt erst recht!"
Ich wünsche mir, dass in Deutschland die soziale Gerechtigkeit absolute Priorität hat und möchte die SPD - zumindest durch meine Mitgliedschaft - unterstützen.
|
 |
|
|
|