Bei stürmischen Aprilwetter weihten am 29. April knapp 40 Interessierte die Lohbrügger Geschichtstafeln ein. Vor dem Marktkaufcenter “enthüllte” Bezirksamtsleiter Arne Dornquast die erste Geschichtstafel, die an das ehemalige dänische Zollhaus erinnert, das an der Stelle des heutigen Einkaufzentrums stand. Dornquast lobte das ehrenamtliche Engagement der AG Geschichte (Dieter Delvos, Ute Becker-Ewe, Erika Schmekal, Michael Schütze und Helmuth Sturmhoebel) des Stadtteilbeirates Lohbrügge, die mit Unterstützung des Kultur- und Geschichtskontors die Tafeln erstellt hat. Dies zeige, wie wichtig es sei und was möglich sei, wenn sich die Bewohnerinnen und Bewohner eines Stadtteils für diesen einsetzten. Dornquast danke aber auch den Grundeigentümern, die wie die Bille Baugenossenschaft und das Marktkaufcenter bereit waren, die Tafeln auf ihrem Grund und Boden aufzustellen. Nach dem Willen der AG Geschichte, die jede der einzelnen Tafeln auch kurz erläuterte, sollen noch weitere Tafeln aufgestellt werden.
Nach der feierlichen “Enthüllung” der ersten Tafel schritt die große Gruppe die weiteren Tafeln ab. Dabei ging es zunächst in den Ludwig-Rosenberg-Ring, Ecke Wilhelm-Bergner-Straße. Dort befindet sich die Geschichtstafel, die an das Bergedorfer Eisenwerk erinnert, das entscheidend für die Industrialisierung Sandes/Lohbrügges gewesen ist ist sich zwischen heutigem Lundwig-Rosenberg-Ring und der Bahnlinie bis zum Bogen der Bille erstreckte. Nur 40 Jahre nach Ansiedlung der Fabrik hatte sich die Zahl der Einwohner der kleinen Gemeinde von 500 auf über 6000 mehr als Verzwölffacht!
Die nächste Station war die Schule Leuschnerstraße, deren Geschichte durch die dritte Tafel erzählt wird. Mit dem Bevölkerungswachstum der Gemeinde Sande/Lohbrügge wuchs auch der Bedarf an Schulplätzen. Die alte Dorfschule war zu klein und musste durch eine größere ersetzt werden.
Nur ein paar Schritte weiter steht die Tafel vor dem Kinder- und Kulturhaus Lohbrügge (Kiku). In dem Gebäude befand sich der Sitz des Sander Arztes. Später war hier die Kulturkneipe Spectrum beheimatet. Seit kurzer Zeit belebt das Kiku mit seinem vielfältigen Angebot das alte Gemäuer.
Die fünfte Geschichtstafel ist an der heutigen Lola in der Lohbrügger Landstraße angebracht. Deren Gebäude wurde gebaut, als die wachsende Gemeinde Sande/Lohbrügge ein Gemeindehaus brauchte. Nach der Eingemeindung Lohbrügges in Hamburg 1937/38 wurde das Gebäude in einem anderen Zweck zugeführt. Hier befabd sich bis in die 1980er Jahre hinein die Lohbrügger Polizeiwache. Nachdem diese in den Neubau am Sander Damm gezogen war, wurde das alte Gemeindehaus zum Stadtteilkulturzentrum Lola.
Die letzte Station des kleinen Rundgangs führte zum Eingang der Alten Holstenstraße bei der Haspa. Die dortige Geschichtstafel erzählt von der Vergangenheit der Alten Holstenstraße, die sich im Zuge des Bevölkerungswachstums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark verändert hatte. Die vielen Arbeiter, die im Eisenwerk arbeiteten, mussten irgendwo ihre Einkäufe erledigen und taten dies in der Alten Holstenstraße, die um 1908 bereits mehr als 40 Geschäfte, Handwerksbetriebe und Gaststätten beherbergte. Sie war zu einer lebhaften Wohn- und Geschäftsstraße geworden.
Am Ende des Rundgangs kehrten die Beteiligten ins Stadtteilbüro Lohbrügge ein, um die Einweihung bei einem Glas Sekt ausklingen zu lassen.
Text und Photos: Michael Schütze















